Holistic Scoring bei Core Web Vitals: Warum eine schwache Seite jetzt die ganze Website runterzieht
Master-Keyword: Holistic Scoring Core Web Vitals
Das Google Core Update vom März 2026 ist seit dem 8. April abgeschlossen. Wir haben in den letzten drei Wochen mehrere Kundenwebsites analysiert und sehen ein klares Muster: Sites mit schlechten Core Web Vitals haben Sichtbarkeit verloren. Sites mit guten Werten haben Boden gut gemacht.
Das ist nicht neu. Neu ist, wie Google die Werte jetzt bewertet.
Wie wir auf das Update als Ganzes reagieren und welche Sofortmaßnahmen sinnvoll sind, haben wir in unserer Core-Update-Checkliste für KMU beschrieben. Dieser Beitrag konzentriert sich auf einen Aspekt, der dort bewusst ausgespart bleibt: die technische Änderung in der Bewertungslogik der Core Web Vitals.
In diesem Beitrag erklären wir, was sich konkret geändert hat. Wir zeigen die drei Schwellenwerte, die KMU im Blick behalten müssen. Und wir geben eine kurze Checkliste, mit der eine Marketingleitung in einer halben Stunde den Status der eigenen Website einschätzen kann.
Was Core Web Vitals sind und warum sie zählen
Core Web Vitals sind drei Messwerte, mit denen Google die technische Qualität einer Website bewertet. Sie messen, wie schnell, stabil und bedienbar eine Seite aus Sicht eines echten Nutzers ist.
Die drei Werte sind:
- LCP (Largest Contentful Paint): Wie lange dauert es, bis das größte sichtbare Element geladen ist? Schwelle: unter 2,5 Sekunden.
- INP (Interaction to Next Paint): Wie schnell reagiert die Seite auf Klicks und Eingaben? Schwelle: unter 200 Millisekunden.
- CLS (Cumulative Layout Shift): Wie oft springt das Layout während des Ladens? Schwelle: unter 0,1.
Diese drei Schwellenwerte sind unverändert geblieben. Trotzdem haben viele B2B-Websites nach dem März-Update an Sichtbarkeit verloren. Der Grund liegt in einer stillen Änderung der Bewertung.
Die zentrale Änderung: Holistic Scoring
Bisher hat Google jede Seite einer Website einzeln bewertet. Eine langsame Detailseite hatte keinen direkten Einfluss auf das Ranking der Startseite. Das hat sich geändert.
Mit dem März 2026 Core Update bewertet Google die Core Web Vitals jetzt site-weit. Die Werte aller Seiten einer Domain fließen in einen Gesamtwert ein. Das nennt sich Holistic Scoring. Eine einzige langsame Produktseite zieht damit die ganze Domain runter.
Beispiel aus unserer Praxis: Bei einem Maschinenbauer aus Oberschwaben war die Startseite mit einem LCP von 1,8 Sekunden gut. Aber die 40 Produktdetailseiten hatten Werte zwischen 4 und 6 Sekunden. Nach dem Update ist die Sichtbarkeit der Startseite gefallen. Der Grund waren nicht die Inhalte. Der Grund waren die Produktseiten.
Die offizielle Definition der drei Werte und ihrer Schwellen findet sich bei Google Search Central sowie auf web.dev. Den Rollout des März 2026 Core Updates hat Google im Search Status Dashboard dokumentiert.
Wie die Werte gemessen werden
Google nutzt für die Bewertung Felddaten aus dem Chrome User Experience Report (CrUX). Das sind echte Messwerte von echten Nutzern, nicht Laborwerte. Voraussetzung ist, dass eine Seite genug Traffic hat, damit CrUX-Daten entstehen.
Für Websites mit wenig Traffic greift Google auf Origin-Daten zurück. Das sind aggregierte Werte der gesamten Domain. Genau hier wird Holistic Scoring sichtbar: Wer wenig Daten pro Einzelseite hat, wird automatisch site-weit bewertet.
Marketingleitungen brauchen zwei Werkzeuge:
- PageSpeed Insights (pagespeed.web.dev): Zeigt Lab- und Felddaten für eine einzelne URL.
- Search Console: Zeigt unter Erweiterungen → Core Web Vitals den site-weiten Status.
Wichtig: Die Search Console gruppiert URLs in Cluster. Wenn ein Cluster als „Schlecht“ markiert ist, betrifft das oft hunderte URLs. Genau diese Cluster ziehen jetzt die Domain runter.
Was sich für KMU konkret ändert
Nach unserer Erfahrung aus aktuellen Kundenprojekten betrifft das Update vor allem drei Fälle:
Fall 1: Alte WordPress-Themes mit vielen Plugins. Themes aus 2020 oder 2021 sind oft nicht für moderne Bildformate optimiert. Plugins addieren JavaScript, das den INP-Wert verschlechtert. Bei einer Steuerberatung haben wir 18 aktive Plugins gefunden, von denen 11 nicht mehr aktualisiert wurden.
Fall 2: TYPO3-Websites mit großen, unkomprimierten Bildern. Auf vielen B2B-Sites finden sich PNG- oder JPG-Bilder mit 2 bis 5 Megabyte. Moderne Formate wie WebP oder AVIF reduzieren das auf ein Fünftel. Ohne diese Optimierung bleibt LCP regelmäßig über 3 Sekunden.
Fall 3: Cookie-Banner und Marketing-Skripte. Tag Manager, Hotjar, LinkedIn Insight Tag und Cookie-Banner werden oft synchron geladen. Jedes davon kostet Millisekunden beim INP. In Summe sind das 300 bis 500 Millisekunden, die das Limit reißen.
30-Minuten-Performance-Check für die eigene Website
Eine Marketingleitung kann in einer halben Stunde den Performance-Status der eigenen Website einschätzen. Es geht ausschließlich um die drei Werte LCP, INP und CLS, nicht um Inhalte oder Rankings:
- 1. Search Console öffnen (10 Minuten): Unter „Erweiterungen → Core Web Vitals“ prüfen, wie viele URL-Cluster als „Schlecht“ oder „Verbesserung nötig“ markiert sind. Liste exportieren.
- 2. PageSpeed Insights für drei Schlüsselseiten (10 Minuten): Startseite, eine Produkt- oder Dienstleistungsseite, eine Kontaktseite. Felddaten der letzten 28 Tage notieren.
- 3. Bilanz ziehen (10 Minuten): Liegen alle drei Werte (LCP, INP, CLS) im grünen Bereich? Wenn nein, in welchem Cluster liegen die Probleme? Sind es einzelne Seiten oder die ganze Site?
Das Ergebnis ist kein technisches Audit. Es ist eine Standortbestimmung, mit der ein Gespräch mit der Entwicklungsabteilung oder einem Dienstleister möglich wird.
Was wir bei Kundenprojekten konkret prüfen
Wenn wir bei einem neuen Projekt einen CWV-Check machen, gehen wir in dieser Reihenfolge vor:
- 1. Bildformate prüfen: Gibt es WebP oder AVIF? Werden Bilder responsive ausgeliefert? Ist Lazy Loading aktiv?
- 2. JavaScript reduzieren: Welche Skripte laufen synchron? Welche können verzögert (defer) oder asynchron (async) geladen werden? Welche sind überflüssig?
- 3. Caching und Komprimierung: Liefert der Server Brotli oder mindestens gzip? Sind statische Ressourcen langfristig gecached?
- 4. Server-Antwortzeit: Liegt die Time to First Byte unter 800 Millisekunden? Wenn nicht, ist meist das Hosting das Problem.
- 5. Cookie-Banner: Wird der Banner asynchron geladen? Blockiert er den ersten Render?
Diese fünf Schritte decken erfahrungsgemäß 80 Prozent der typischen Probleme ab. Die restlichen 20 Prozent sind individuelle Sachverhalte, die ein technisches Audit erfordern.
Was Holistic Scoring strategisch bedeutet
Vor dem März-Update war es vertretbar, einzelne Bereiche einer Website technisch zu vernachlässigen. Eine alte Pressemitteilung oder ein langsames Karriere-Portal hatte keinen direkten Einfluss auf die Sichtbarkeit der Hauptseiten.
Das gilt nicht mehr. Jede URL, die schwache Werte hat, zieht die Domain runter. Das hat zwei Konsequenzen:
Erstens: Alte Inhalte aufräumen. Pressemitteilungen aus 2018, Veranstaltungsankündigungen von 2020, ausgelaufene Stellenanzeigen. Vieles davon ist technisch nicht mehr auf Stand. Wenn es keine Performance hat, schadet es der Domain. Entweder pflegen oder entfernen.
Zweitens: Performance ist Chefsache. Das Thema gehört nicht ausschließlich in die IT. Marketing und Geschäftsführung müssen mitdenken, weil Investitionsentscheidungen darauf folgen. Ein neues Theme, ein neues Hosting oder ein CMS-Wechsel sind oft schneller wirtschaftlich, als es auf den ersten Blick scheint.
Ausblick: Worauf wir achten
Google entwickelt das Set der Core Web Vitals weiter. INP hat im März 2024 FID als dritten Vital abgelöst. Die Dokumentation zu INP auf web.dev zeigt, wie Google den Wert misst und welche Optimierungen die größten Effekte haben.
Für KMU bedeutet das: Wer heute solide Core Web Vitals hat, ist auch für kommende Anpassungen gut aufgestellt. Die Grundprinzipien (schnelle Auslieferung, geringe JavaScript-Last, stabile Layouts) bleiben gleich, auch wenn Google später weitere Indikatoren ergänzt.
Fazit
Das März 2026 Core Update hat keine neuen Schwellenwerte gebracht. Die Schwellen für LCP, INP und CLS sind dieselben wie vorher. Was sich geändert hat, ist die Bewertungslogik. Holistic Scoring macht aus einer Sammlung von Einzelseiten eine Domain mit einem Gesamtwert.
Für KMU heißt das: Wer alte Bereiche der eigenen Website ignoriert, riskiert die Sichtbarkeit der ganzen Domain. Eine halbe Stunde Status-Check in der Search Console reicht, um die Größenordnung des Problems einzuschätzen. Daraus folgen die nächsten Schritte, oft pragmatisch und mit überschaubarem Aufwand.
Wer den Status der eigenen Website einschätzen lassen will, meldet sich gern bei uns. Wir machen einen kurzen Check und sagen ehrlich, ob technische Arbeit nötig ist oder ob die Ressourcen besser in Inhalte fließen.
FAQ
Was sind die drei Core Web Vitals und welche Schwellenwerte gelten 2026?
Die drei Core Web Vitals sind LCP (Largest Contentful Paint, Schwelle unter 2,5 Sekunden), INP (Interaction to Next Paint, Schwelle unter 200 Millisekunden) und CLS (Cumulative Layout Shift, Schwelle unter 0,1). Diese Schwellenwerte sind seit März 2026 unverändert. Geändert hat sich die Bewertungslogik: Google rechnet die Werte jetzt site-weit zusammen statt pro Seite.
Was bedeutet Holistic Scoring bei Core Web Vitals?
Holistic Scoring bedeutet, dass Google die Core Web Vitals aller Seiten einer Domain zu einem Gesamtwert verrechnet. Eine einzige langsame Produkt- oder Detailseite zieht damit die ganze Website im Ranking nach unten. Vor dem März 2026 Core Update wurden Seiten einzeln bewertet. Seit dem Update gilt der site-weite Wert.
Wie prüfe ich als Marketingleitung den Status meiner Website?
Drei Schritte reichen für eine erste Einschätzung. Erstens: Google Search Console öffnen und unter Erweiterungen den Core-Web-Vitals-Bericht prüfen. Zweitens: PageSpeed Insights für Startseite, eine Produktseite und die Kontaktseite aufrufen und Felddaten ansehen. Drittens: Auflisten, welche URL-Cluster als schlecht markiert sind. Damit ist ein Gespräch mit Entwicklung oder Dienstleister möglich.
Welche Maßnahmen verbessern Core Web Vitals am schnellsten?
Drei Bereiche bringen erfahrungsgemäß am schnellsten Verbesserung. Erstens: Bilder in moderne Formate wie WebP oder AVIF konvertieren und Lazy Loading aktivieren. Zweitens: Marketing- und Tracking-Skripte asynchron laden statt synchron. Drittens: Server-Antwortzeit prüfen und gegebenenfalls Hosting wechseln, wenn die Time to First Byte über 800 Millisekunden liegt.
Quellen
- Google Search Central: Core Web Vitals
- web.dev: Core Web Vitals Überblick
- Google PageSpeed Insights
- Google Search Status Dashboard